Der Tanz mit den fallenden Blättern

Donnerstag 17. Oktober 2013

Wenn der Wind wieder um die Häuser faucht und Regentropfen trommeln, dann rüsten sich 220 Reiniger der Entsorgungsbetriebe Essen (EBE) für den Tanz mit dem Laub. Die ersten Stürme im Herbst und kalte Nächte sorgen dafür, dass ab etwa Ende Oktober haufenweise Arbeit niedergeht. Wobei „haufenweise“ nicht ganz korrekt ist: Die Haufen müssen erst geschoben werden.

Und das ist harte und mühevolle Arbeit. 20 Kolonnen schickt die EBE von Montag bis Samstag raus ins Stadtgebiet, um das Laub zu bändigen. In den Straßen sowie auf Wegen und Plätzen mit Straßenreinigung rücken sie mit Besen, Blasgeräten und riesigen Laubsaugern der Biomasse zu Leibe. Nasse Blätter bedeuten Rutschgefahr, sie verstopfen Kanaleinläufe und müssen von der Straße. Rund sechs bis acht Wochen dauert diese Phase, die als „Laubzeit“ eine feste Größe im EBE-Jahreskalender ist. Der Aufwand ist enorm, denn überall rieseln die Blätter fast gleichzeitig.

„Am schlimmsten ist es erfahrungsgemäß im November“, so Anja Wuschof, Leiterin der Reinigung. „Wenn der Frost kommt, haben wir vier Wochen „Freude“.“ Vor dem ersten Schnee soll, so der eigene Anspruch, das Laub möglichst weg sein. Ob das klappt, hängt aber vom Winter 2013/2014 ab –und der lässt sich genauso wenig dirigieren wie seine Vorgänger.

Turbo-Sauger bändigen Blattmasse

Sehr hilfreich sind die beiden Turbo-Sauger, von denen jeder mit einer Sammeltour bis zu 40 Kubikmeter Laub bunkern kann. Weil die kleineren Maschinen so schnell voll sind, richtet die EBE über die gesamte Stadt verteilt interne Kippstellen ein. Auf Parkplätzen, alten Sportplätzen, Betriebshöfen, angemieteten Brachflächen oder direkt in bereit gestellte EBE-Container entleeren die Kehrmaschinen und Flitzer ihre Ladung. Gerade neu fertig geworden ist eine auf dem EBE-Gelände an der Pferdebahnstraße. Mittels Turbo-Sauger, Radlader, Bagger oder Containerfahrzeug werden die Berge dann kurzfristig abtransportiert.Größere Bäume mit mehr Laub

Dabei helfen auch die kostenfrei verteilten weißen Laubsäcke, die die EBE gemeinsam mit der Stadtwerke Essen AG den Essenern schenkt. Viele Bürger tüten netterweise das Laub aus ihrer Straße ein und stellen die prallen Säcke an den Straßenrand. Die Menge steigt. „Wir haben immer mehr Bäume in Essen“, so Rolf Friesewinkel, Chef von Abfallabfuhr und Reinigung. „Die werden jedes Jahr größer und produzieren mehr Blattmasse. Unter den deutschen Großstädten gehört Essen tatsächlich zu den grünsten

Die Kehrseite bei so viel Grün ist klar: Ist das Laub erst braun, soll es schnell fort. Überall gleichzeitig können aber auch 220 Mitarbeiter mit ihren Gerätschaften nicht sein. „Wir geben alles“, versichert Bettina Hellenkamp, EBE-Pressesprecherin, „die Kollegen machen viele Überstunden. Es arbeiten aber nur genauso viele Leute wie sonst auch. Darum verschiebt sich ab und zu mal der Reinigungsrhythmus. Wir sind sehr dankbar, wenn die Bürger uns mit den Säcken helfen.“ Ihr Appell, falls es ein paar Tage dauert: „Ruhe bewahren, bitte. Der Herbst hat so schöne Seiten. Man sollte ihn nicht als Belästigung sehen, sondern als Geschenk der Natur

Zahlen und Fakten

* 220 Mitarbeiter in der Straßenreinigung (20 Kolonnen für 20 Tagesreviere, jeweils mit Flitzer und Kleinkehrmaschine)
* Fuhrpark: 15 Großkehrmaschinen, 20 Kleinkehrmaschinen, 20 Flitzer, 9 Brackensauger/Laubsauganhänger, 2 Turbo-Sauger, 1 Radlader, 2 Laubsauger-Müllwagen
* Gesamtmenge erfahrungsgemäß ca. 3.700-4.000 Tonnen Laub

EBE_Laubzeit 2012_Stoppenberg_058
Jedes Jahr wieder: Das Herbstlaub muss von der Straße.