Entsorgungsbetriebe Essen GmbH

 

Ruhr.2010


Unsere Stadt. Unser Klima.

Intelligentes Vorbild für Deutschland: Recyclinghof an der Lierfeldstraße – Vor 20 Jahren entstand die Idee in Essen

Bevor Dinge wie Umweltschutz, Mülltrennung und Wiederverwertung wichtig wurden, landete noch in den siebziger Jahren nahezu alles in einem Behälter. Die Stadt Essen entwickelte früh zwei wegweisende Ideen: Schad- und Wertstoffe separat sammeln und dabei die Bürger aktiv einbinden. Vor 20 Jahren wurde einer der ersten Recyclinghöfe Deutschlands in Essen gegründet.

Mülltrennung ist heute bunt und selbstverständlich: Diverse Tonnen nehmen den Abfall auf, viele Stoffe kann man gezielt zurückgeben und gefährliche Güter am Schadstoffmobil vor der eigenen Haustür abliefern. Als vor 20 Jahren im Altenessener Süden ein Hof eigens nur für die Annahme ausrangierter Güter und Schadstoffe eingerichtet wurde, betrat Essen Neuland. Heute betreiben die Entsorgungsbetriebe Essen diesen Hof. Seit 2007 gibt es einen zweiten Recyclinghof in Werden.

Umweltschutz war ein großes Thema in den achtziger Jahren. Damals entstand auch in Essen eine erste Annahmenstelle für Stoffe, die für den Hausmüll entweder zu wertvoll oder zu gefährlich waren. Am Betriebshof an der Elisenstraße etablierte das damalige Stadtamt 70 bereits 1982 eine kleine Sammelstelle. Von Anfang an konnte alles Mögliche abgegeben werden: Altöl, Grünabfälle, Altglas, (Auto-) Batterien, Kühlschränke, Papier, Styropor, Waschmaschinen. Dazu kamen aufwändige Komposteraktionen, bei denen die Stadt für die separate Sammlung von Grünschnitt und das Kompostieren warb. Daran war auch die damalige Geschäftsstelle Umweltschutz beteiligt. Und die Essener machten mit!

Dialog mit den Bürgern

Kapazitätsprobleme in den Veraschungsanlagen und Umweltschutz-Ansprüche regten das Nachdenken an. Man wollte die Idee einer intelligenten Müllentsorgung publik machen, über Recycling und Weiterverwertung sprechen, eine Abfallberatung aufbauen – Dinge, über die die Gesellschaft sich zuvor wenig Gedanken gemacht hatte. Das Bewusstsein für diese Art von Umweltschutz entwickelte sich erst und das Informationsbedürfnis der Bürger war dementsprechend groß.

Die Trennung des Mülls in Wert- und Gefahrstoffe, die sich seit den späten 80er Jahren mehr und mehr durchsetzte, zeugt von einem durch Verantwortung und Gesundheitsbewusstsein geprägten Umgang – gegenüber den Fachkräften der Branche, der Umwelt und den natürlichen Ressourcen.

Die Stadt suchte den Dialog mit den Bürgern. Neben den Medien mussten vor allem sie als Partner gewonnen werden. Daher gehörten Führungen, Tage der offenen Tür und Aktionen in Schulen und Kindergärten von Anfang an dazu. Über die Kleinen, so lautet der erfolgreiche Ansatz der Entsorgungsbetriebe bis heute, erreicht man auch die Eltern und kann die gewünschte Botschaft einer möglichst sortenreinen Entsorgung vermitteln.

Kostenfreie Abgabe motiviert zum Mitmachen

Das „Bring-System“ dieser ersten Annahmestelle an der Elisenstraße ist bis heute grundlegend für die gesamte Erfassung von wieder verwertbaren Gütern von Altglas bis Farbresten. Im Gegensatz zu den Mülltonnen wurden diese Abfälle nie abgeholt, kosteten dafür aber bis auf wenige Ausnahmen wie Altöl oder Autoreifen auch nie Gebühren. Kurz nach der Eröffnung des Recyclinghofes schlug im April 1989 beispielsweise ein Altreifen mit 1,25 DM zu Buche, ein Kilo Altöl kostete 1 DM. Ein 160-Liter-Sack Grünschnitt, den der Bürger heute ohne Gebühr los wird, machte 4 DM aus.

Das Prinzip, die Bürger über die kostenfreie Abgabe zum Mitmachen zu motivieren, greift nach wie vor. Besonders erfolgreich etwa bei Glas, das schon seit 1974 (alte Bundesrepublik) separat gesammelt wird: Die Rücklaufquote für Behälterglas beträgt derzeit in Deutschland rund 83 Prozent, das sind etwa 24 Kilo pro Einwohner im Jahr. In der Schweiz liegt die Quote gar bei 96 Prozent, in Spanien dagegen bei nur gut 50 Prozent. Wer statt sortierter Stoffe aber gemischten Hausmüll entsorgen möchte, muss dagegen auch heute bezahlen. Zwischen 200 und 300 Anlieferungen pro Tag kamen anfangs an der Elisenstraße zusammen. Das führte zu Staus und Wartezeiten. Heute kommen an einem ganz normalen Montag rund 1.200 Anlieferungen zur Lierfeldstraße.

Berufsbild entscheidend mitgeprägt

Parallel zur steigenden Beliebtheit der Annahmestelle in den achtziger Jahren sicherte das damalige Stadtamt den Fachkräftenachwuchs und prägte ein neues Berufsbild von Essen aus entscheidend mit. Die erste Riege der speziell ausgebildeten „Ver- und Entsorger“, wie der Vorläufer der „Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft“ hieß, wurde in Essen ausgebildet. Seit den Anfängen dabei: Barbara Emmerich (Leiterin des Recyclinghofes Werden), Heiner Bahrenberg (Abteilungsleiter Recyclinghöfe) und Michael Brosch (Städtereinigungsmeister und Fachausbilder in Altenessen). Karl Hering (Stab Geschäftsführung) gehörte ehrenamtlich dem Landesprüfungsausschuss an und entwickelte den Lehrberuf entscheidend mit.
Heute bietet das Unternehmen jedes Jahr vier Ausbildungsplätze in diesem Beruf an.

Vorreiter einer Idee in Deutschland

1988 schließlich fand sich mit dem Gelände der Spedition Helf an der Altenessener Lierfeldstraße ein geeigneter Platz, der hergerichtet wurde und 1989 als erster Recyclinghof in Betrieb ging. Manche Beschwerlichkeiten der Anfangsphase sind unvergessen: das „Aquarium“ genannte Pförtnerhäuschen an der Einfahrt, in dem es im Sommer unglaublich heiß wurde; die spärliche Arbeitskleidung, die sich heute sehr geändert hat; schließlich die Radiatoren und Waschmaschinen, die anfangs per Hand auseinander gebaut wurden.

Als Vorreiter einer Idee in Deutschland wollte man am Recyclinghof Altenessen stets Vorbild sein, Modell für einen neuen Umgang mit vermeintlichem Müll. Als Plattform für eine neue Ausbildung, für den fachlichen Austausch, als Ideen- und Wissensbörse. Impulse wie die getrennte Erfassung von Altmedikamenten und Biomüll gingen von hier aus ins Land. Aus dem Essener Modellprojekt Elektroschrott 1993 wurde 2006 gar ein deutsches Gesetz. Das honorierte die Fachwelt ebenso wie die Politik: Prof. Klaus Töpfer, damals Bundesumweltminister, verewigte sein Wohlwollen 1993 im Gästebuch und wünschte sich „viele Einrichtungen wie diese“ in Deutschland. Heute gibt es Recyclinghöfe in jeder deutschen Stadt – sein Wunsch ist tatsächlich wahr geworden.

Gameboy und Granate: skurrile Funde

Am Recyclinghof landet beileibe nicht nur Müll, sondern häufig Brauchbares. Die Mitarbeiter wundern sich nicht mehr. „Es gibt quasi nichts, was wir noch nicht hatten“, behauptet Michael Brosch. Die erfahrenen Kollegen nicken.
Dann zählt er auf: Kröten im Grünschnitt gebe es öfter, es sei auch schon mal ein toter Hahn dabei gewesen. Zahlreiche ausgestopfte Tiere rettete er vor dem Container: Sie zieren heute sein Büro. Die Hand, die eines Tages auftauchte, stammte glücklicherweise von einer Schaufensterpuppe. Eine ganze Reihe Waffen fanden sie, auch mal eine scharfe Gewehrgranate.

Manchmal fühlen die Mitarbeiter sich angesichts der vielen funktionsfähigen Dinge an den Ikea-Katalog erinnert. Einmal sei es eine ganze Wohnungseinrichtung gewesen, säckeweise frische Wäsche – da wurde es den Leuten denn doch mulmig: Sie holten sicherheitshalber die Polizei.

Inzwischen landet sehr viel Elektronikschrott am Hof. Daran lasse sich das Konsumverhalten ablesen, die Lebensdauer der Geräte wird kürzer.

Gerne erzählen die alten Hasen Michael Brosch von dem alten Kadett-Kombi. Ein älterer Mann wollte ihn am Hof lassen, doch angenommen wurde er nicht. Vielmehr kaufte ein Mitarbeiter ihn ab, gab ihn an Brosch weiter – und dieser fuhr ihn noch vier Jahre lang.

Recyclinghof Lierfeldstraße heute

Mitarbeiter: 14
Annahmen pro Tag: bis zu 1.200
Öffnungstage Montag-Freitag 7-19 Uhr, Samstag 7-15 Uhr
Schadstoffmobil am Hof: Di, Do, Sa
Schadstoffmobil unterwegs in Essen: Mi, Fr
Besucher im Jahr: etwa 180.000

Angelieferte Mengen pro Jahr:
knapp 4.500 Tonnen Altholz
rund 25.000 Kühlschränke pro Jahr (beide Recyclinghofe)
etwa 1300 Tonnen Altgeräte der Unterhaltungselektronik (beide Recyclinghöfe)

Kostenlos werden in Altenessen angenommen:
- Elektrogroßgeräte, z. B. Elektroherd, Waschmaschine
- Elektrokleingeräte, z. B. Toaster, Unterhaltungselektronik
- Batterien (Klein- und Autobatterien)
- Energiesparleuchten
- Leuchtstoffröhren
- Kühlschränke; Ölradiatoren
- Sperrmüll (bewegliche Wohnungseinrichtungs-Gegenstände)
- Grünabfälle bis zu einer Menge von 1 m³
- Wand- und Deckenfarben, max. 5 Eimer
- Schrott
- Medikamente
- Papier, Pappe und Kartons
- Flaschen, Konservengläser
- Schuhe und Textilien
- Kabel, Kork



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