Mühsamer Hausputz mit Eimer und Zange

Montag 3. September 2012

Intensive Stunden beschert das neue „Stadion Essen“ der Reiniger-Truppe der Entsorgungsbetriebe Essen GmbH, die nach allen Fußballspielen das Stadion wieder auf Vordermann bringt. Neue Wege, geänderte Ansprüche und auch die Eigenheiten des Neubaus fordern Flexibilität und Umdenken gegenüber früher.

Eine feste, junge Truppe von zehn Mann kümmert sich nach den Spielen um Tribünen, Treppen, Umläufe und Asphaltflächen. Eine gewisse Kondition brauchen diese Jungs schon, denn es geht eine volle Schicht treppauf und treppab – ganz anders als die übliche Reinigung im Revier vor Ort, wo sie eher viele Kilometer ebene Strecke beackern. Nach den ersten Spieltagen mussten die EBE-Reiniger erst einmal die optimale Reihenfolge herausarbeiten, wer mit welcher Ausrüstung wann welche Treppenaufgänge oder Sitzreihen säubert und wie dann diese Häufchen entfernt werden. Das dauerte seine Zeit und bedeutete jedes Mal wieder: umdenken, anders planen.

Boden soll schön blank bleiben
Ein schwieriger Punkt zum Beispiel ist der Boden. So schön blank und hell wie in diesen Wochen soll er möglichst lange bleiben. Einfach mit dem Besen schieben, scheidet also aus. Darum klauben die EBE-ler in mehreren Durchgängen die Hinterlassenschaften von Pappbechern bis zur dünnen Papier-Rosette vorsichtig aus den Tribünenreihen. „Das ist sehr viel Laufarbeit“, fasst Anja Wuschof, Leiterin der Reinigung, zusammen. „Zunächst sammeln wir in einem Eimer Getränke- und Essensreste aus jeder Reihe, damit die nicht auf dem Boden verschmiert werden. Im zweiten Durchgang blasen wir den leeren Abfall dann nach unten und nehmen ihn auf. In der dritten Runde erfolgt die Feinreinigung mit Zange und Eimer. Manches verklemmt sich zwischen oder hinter den Sitzen, das holen wir raus. Als Letztes blasen wir im vierten Schritt dann noch mal den Staub von den Sitzen.“ Viermal durch jede Reihe, viermal über jede Treppe. Der Rasen gehört übrigens nicht zum Reinigungsauftrag der EBE, den säubert der Hausherr selbst.

Wind macht das Arbeiten schwer
Ein Gegenspieler macht es dem Team fast jedes Mal schwer: der Wind. Durch das Loch, wo demnächst die vierte Tribüne stehen wird, pfeift er immer. Die Kaminwirkung der bereits fertigen Tribünen saugt die Luft förmlich herein und pustet die gesammelten Abfallhäufchen wieder auseinander. Deswegen wartet man bei der EBE ungeduldig darauf, dass die Stehtribüne für die RWE-Fans steht. 7.500 wird sie fassen können und nach attraktiven Spielen sicher auch ordentlich zugemüllt sein. „Das macht aber nichts, denn ohne die Sitze können wir viel einfacher reinigen“, so Anja Wuschof. Und der ewige Windzug falle dann hoffentlich auch weg.

Im Moment müssen die Reiniger die Reste noch möglichst schnell in die Behälter verfrachten. Dafür bringt die EBE am Reinigungstrag jeweils zusätzlich sechs große, vierrädrige Behälter mit. Darüber hinaus sind im Stadion Essen überhaupt erstmals Abfallbehälter dauerhaft aufgestellt. „Es stehen immer 38 Silberlinge mit je 240 Liter auf dem Gelände“, erklärt Anja Wuschof. Sie werden im Rahmen der normalen Reviertour rund ums Stadion von einem Abfallsammelfahrzeug geleert.
Im alten „Georg-Melches-Stadion“ gab es keine Abfalleimer.

Handarbeit auf den Tribünen

Alle lernen noch dazu
„Natürlich reinigen wir immer noch ein Stadion, eigentlich eine altbekannte Sache“, sagt Bettina Hellenkamp, Pressesprecherin der EBE, nüchtern. „Wir haben aber beispielsweise jetzt immer Zeitdruck. Im neuen Stadion finden ja nicht nur Fußballspiele, sondern auch andere Veranstaltungen statt. Der Lounge-Bereich oberhalb der Tribüne wird bewirtschaftet. Der Hausherr möchte, dass der Ausblick aus den Fenstern dort möglichst schnell wieder ordentlich ist. Darum fangen wir auch dort an mit der Reinigung und müssen an einem Arbeitstag fertig werden. Das schaffen wir auch.“
Nach einer Begegnung wie im August beim DFB-Pokal mit 12.500 Zuschauern – das Stadion war ausverkauft – sei es aber auch sehr anspruchsvoll.

Draußen vor den Toren regieren die Kehrmaschinen, jedenfalls theoretisch. Im Moment ist die Pflasterung noch so frisch, dass die Geräte dort nicht kehren dürfen: Ihre Stahlbesen und das Saugrohr würden den Sand wieder aus den Fugen holen. Also ist dort vorerst noch Handarbeit angesagt, bis die Fugen sich gesetzt haben.

Lerneffekte gibt es aber nicht nur bei der EBE, sondern auf allen Seiten. Die roten Papierschnipsel, die beim DFB-Pokalspiel vom Himmel regneten, verewigten sich auf vielen strahlend weißen Sitzen – in rosa. Die EBE konnte zwar die Papierreste in mühsamster Kleinarbeit nach und nach entfernen, die Farbe jedoch blieb. Nach der Rückmeldung an den Verein und die RWE-Fanprojekte dürfte auf Papierschnipsel künftig verzichtet werden.

Interessant wird es, wenn Doppelwochenenden stattfinden: Dann spielen die Männer von RWE und die Schönebecker Frauen Samstag/Sonntag hintereinander. Etwa viermal wird das in dieser Saison passieren, und das bedeutet manchmal Nachtschicht für die EBE. „An solchen Wochenenden machen wir eine Zwischenreinigung“, so Anja Wuschof. Wenn alles über die Bühne ist, wird montags komplett gereinigt.

Müllwagen am Stadion Schüppen im Stadtion