Winterbilanz 2012/2013: Kalter Kerl mit großer Ausdauer

Donnerstag 11. April 2013

Nach einer ausgedehnten Wintersaison beenden die Entsorgungsbetriebe Essen (EBE) ihren Winterdienst für die Saison 2012/2013 in den nächsten Tagen. Dieser Winter war ein eigensinniger Gesell‘ mit sehr langen Phasen frostiger Tage und Nächte, teilweise mit ergiebigen Schneefällen, die immer wieder ausgerechnet mitten im Berufsverkehr kamen. Für die Essener und die Mitarbeiter der EBE bedeutete das eine kontinuierliche Belastung. Sie ist zwar für die Jahreszeit typisch, zerrte aber mit zunehmender Dauer immer mehr an den Nerven. Erst Ostern (Ende März) fielen die letzten Flocken.

Insgesamt zieht die EBE eine positive Bilanz. „Unser Mitarbeiterteam hat seine Arbeit sehr engagiert gemacht“, so Bettina Hellenkamp, Pressesprecherin der EBE. „Wir profitieren von der Erfahrung vieler Fahrer, die schon lange im Winterdienst arbeiten. Sie konnten kleinere technische Hürden oft selbst und sehr schnell lösen. Das spart Zeit und Aufwand. So kamen die Streufahrzeuge gleich wieder auf die Straße.“ Überhaupt habe es erfreulich wenige Ausfälle bei den Einsatzfahrzeugen gegeben.

Eis und Schnee bremsten Müllabfuhr aus
Die eiskalten Temperaturen hatten Auswirkungen auf weitere Bereiche der Entsorgungsbetriebe: Müllabfuhr und Sperrmüll konnten an manchen Tagen nicht gefahren werden. Die Reinigung musste lange auf ihre Kehrmaschinen verzichten. So brachten die Rosenmontagszüge beispielsweise rund 100 EBE-Mitarbeiter ins Schwitzen, weil viel mehr Handarbeit als sonst nötig war.

Den ersten richtigen Winter durchlebte der „Stab Winterdienst“, der rund um die Uhr ansprechbar war – und das ist wörtlich zu nehmen. Teilweise zweimal am Tag oder mitten in der Nacht kamen die Kollegen zum Betriebshof. Die manchmal unvorhersehbaren Anforderungen im Winterdienst machten spontane Einsätze nötig. „Dienst nach Vorschrift“ war seit November 2012 für sie kein Thema, und das war besonders daran abzulesen, dass sich keinerlei echte Schwierigkeiten entwickeln konnten.

Neue Technik hilft sehr
Gut bewährt hat sich das neue Routenführungssystem (Autologic), das die Fahrer durch die einzelnen Streupläne leitet. „Es erleichtert das Fahren sehr und verbessert damit die Leistungsqualität“, erklärt Bettina Hellenkamp. „Die Aufmerksamkeit gehört ausschließlich der Straße.“ Zudem sparte es Zeit, sofern die Strecken frei waren.

Tatsächlich gab es auch Kinderkrankheiten bei dem System, das seinen ersten Einsatz in einer deutschen Großstadt hatte. In enger Abstimmung mit dem Hersteller konnten solche Anlaufprobleme aber behoben werden. So waren anfänglich einige zugrunde liegende Standardwerte für die Kilometer-Berechnung nicht korrekt und führten bei den ersten Einsätzen zu verzerrten Ergebnissen.

Salzlogistik stimmte – Kritik teils unberechtigt
Sehr nützlich war in diesem Winter die neue Salzhalle. Dank ihrer Lagerkapazität stellte sich kein Engpass ein und es musste kaum Salz nachbestellt werden. Die Fahrzeuge wurden oft direkt mit dem Bagger in der Halle beladen, was schnell und unproblematisch funktionierte.

„Unser Prinzip ist, dass wir immer vom schlechtesten Fall ausgehen“, erklärt Bettina Hellenkamp. „Dann sind wir gut vorbereitet und kommen nicht in Hektik.“ Kritik am Winterdienst, die vor allem von Bürgern massiv geäußert wurde, nehme die EBE wahr, jedoch beruhe sie häufig auf unrealistischen Erwartungen. „Hexen oder fliegen können wir noch nicht. Mancher vermisst ein Streufahrzeug, obwohl seine Straße gar keinen Winterdienst erhält.“

Schnee und Eis seien im Winter übliche Erscheinungen, auf die sich jeder einstellen sollte. „Dass es einige Stunden dauert, bis wir alle Streupläne einmal geschafft haben, lässt sich nicht ändern. Die vorhandene Ausrüstung ist verhältnismäßig und für durchschnittliche Winter angemessen“, so Hellenkamp. Natürlich ließen sich mehr Fahrer und Fahrzeuge vorhalten, das koste dann aber auch sofort das ganze Jahr mehr Geld.

Blaulicht wird auch künftig nicht helfen: Die Idee, den EBE-Streufahrzeugen damit ein besseres Durchkommen zu ermöglichen, ist nach einer Entscheidung der Bezirksregierung vom Tisch.

Intern endet das Thema nie
Die aktuell warmen Temperaturen lassen erwarten, dass bis zum formellen Ende der Winterdienst-Zeit (15.4.) keine weiteren Einsätze nötig werden. Intern jedoch endet das Thema nie: Nachbetrachtungen stehen an, Gespräche mit Partnern wie Stadt, Evag und Straßen NRW. Einige Routen müssen neu eingelesen werden, weil Baustellen wegfallen und sich die Strecken ändern. Die Salzbestände wollen aufgefüllt, die Salzsilos gewartet werden. Und spätestens ab Juli beginnen die Trainingsstunden für die Winterdienst-Fahrer, damit der Umgang mit den Gerätschaften weiterhin wie geschmiert läuft.

Zahlen zum Winterdienst 2012/2013
Verbrauchtes Salz 4.177 Tonnen
Verbrauchte Sole 1,5 Mio Liter
Noch gelagertes Salz 2.100 Tonnen
3.060 Einsätze (Streupläne A + B, Einzeleinsätze, Kontrollfahrten)
5.150 Mitarbeiter-Stunden
108.535 gefahrene Kilometer

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Ein typischer Anblick im Winter 2012/2013: weiße Straßenränder.