Winterdienst-Zwischenbilanz: Einmal rund um die Erde
4100 Tonnen Salz und 1,5 Millionen Liter Sole landeten auf Essens Straßen
Die Strecke hätte gereicht, um einmal die Erde zu umrunden. Sogar wenige Kilometer mehr sind die Winterdienst-Fahrzeuge der EBE seit dem 12.Dezember 2009 durch Essen gerollt, damit die Straßen trotz Schnee und Eis befahrbar blieben: Insgesamt waren die Einsatz-wagen 40039 Kilometer unterwegs – Tag und Nacht, an Werktagen genauso wie an Sonn- und Feiertagen. Dabei wurden 4100 Tonnen Salz gestreut und 1,5 Millionen Liter Sole auf den Asphalt gespritzt.
Wichtigste Erkenntnis: Essen hatte immer Salz. In keiner Minute wa-ren die Silos und Bunker leer, in denen Salz und Sole lagern. Das ha-ben auch die Bürger gespürt: Es hat während der Wochen langen, in-zwischen in dieser Region ungewohnt harten Winterperiode mit Mi-nus drei bis vier Grad unter dem Durchschnitt nur wenige Beschwer-den gegeben. Die vorläufige Winterbilanz fällt positiv aus: Der Einsatzplan der EBE hat funktioniert.
Die Bereitschaftsdienste werden fünf Monate vorher festgelegt. Das bedeutet: Jeder der etwa 200 EBE-Mitarbeiter, die sich freiwillig für die Sonderschichten melden, weiß genau, wann und wohin er bei plötzlichem Schneefall oder bei spiegelglattem Blitzeis sein Streu-fahrzeug lenken muss. Die vorsorgliche 24-Stunden-Bereitschaft stellt die Winterdienst-Mobilität sicher.
Voraussetzung für gelungene Einsätze sind genaue Wetter-Prognosen. Die „spezifische Glättevorhersage für Essen“ der MeteoGroup“ schützt Abteilungsleiter Rolf Friesewinkel und seine Winter-Besatzung vor unliebsamen Überraschungen. Aus den stündlich er-stellten Vorhersagen lässt sich sehr genau ablesen, wann die „Schneemänner“ einrücken müssen. Wenn’s brenzlig wird, tutet der „Pieper“ in der Einsatzzentrale: Achtung Notfall. Überraschungen sind nahezu ausgeschlossen. Bei ungenauer Wetterlage rücken Kon-trolleure in alle vier Himmelsrichtungen des Essener Stadtgebietes aus und überprüfen die Lage vor Ort. Besonders neuralgische Punkte wie Brücken oder Kreuzungen werden in Augenschein genommen. Meldungen von Polizei, Feuerwehr und den Verkehrsbetrieben (Evag) komplettieren das Informationsnetz. Ausschließlich für Polizeianrufe ist das „rote Telefon“ geschaltet.
Salz und Sole lagern an verschiedenen Orten. In sechs Silos auf dem Gelände der EBE-Zentrale an der Pferdebahn sind insgesamt 1200 Tonnen Trockensalz vorhanden, noch dazu 80 000 Liter Sole, also Natriumchlorid. Die EBE kocht sich ihre Sole selbst. Zwei Bunker, einer am ehemaligen Zentral-Platz an der Elisenstraße, sind zusätzlich jeweils mit 500 Tonnen Salz randvoll; auf einen weiteren mit 400 Tonnen im Annental kann bei Bedarf zurückgegriffen werden. Die Zusammenarbeit mit dem Tiefbauamt garantiert die Versorgung. „Die vorgehaltene Gesamtmenge hat uns gerettet“, so Friesewinkel.
Dabei hatte der vertraglich an die EBE gebundene Lieferant am 31. Dezember 2009 den Salzfluss gestoppt: Aus – nichts kommt mehr! Da wurde aus der Not eine Tugend gemacht: An den Wänden und auf den Böden der Bunker wurde mit Schaufeln und Besen zusammengekehrt, was irgendwie salzig war. Jetzt begann die Suche nach neuem Salz, vor allem in Internet. Angebote aus Bosnien, Russland, Marokko, Ös-terreich, Rumänien, ja sogar aus Ägypten wurden eingeholt.
Die internationalen Salzpreise stiegen – manchmal um das das Dreifa-che. Die Essener Betriebe hielten finanziell Maß. Eine Zugladung mit 5000 Tonnen aus Bosnien, die für mehrere Ruhrgebietsstädte be-stimmt war, wurde abbestellt, weil der Preis im Laufe der Tage stän-dig stieg und der unseriöse, wohl auch nicht leistungsfähige Lieferant noch dazu Vorkasse verlangte. Der Fahrer eines russischen Salz-Sattelschleppers wurde irgendwo im Westfälischen „eingefangen“, weil der sich verfahren hatte oder irgendwo ein besseres Angebot wit-terte.
Der nächste Winter kommt bestimmt. Dieses Schlagwort bedeutet für die EBE Verpflichtung zur Vorsorge. Für das Gelände der Zentrale liegen Pläne für den Bau von drei neuen Silos vor. Angedacht ist eine interkommunale Zusammenarbeit mit anderen Städten des Ruhrge-biets: Ein Großlager irgendwo an einem verkehrsgünstigen Platz in der Mitte der Metropol-Region könnte angelegt werden.
Ein ganz wichtiger Faktor im Kampf gegen Schnee und Eis spielte die Neu-Ausrüstung der 16 Streufahrzeuge mit Kunststoff-Pflügen. Das Motto: Je leichter der Pflug, desto mehr Salz kann er aufnehmen und länger streuen, ohne nachzufüllen. Es entstehen keine Zeitverluste.
EBE-Bilanz bisher: Wir sind gut durch den Winter gekommen.





