EBE testet Müllwagen mit Erdgasantrieb, Eine Woche Probebetrieb in unterschiedlichen Revier-Typen

Montag 11. März 2019

Die Fahrzeugflotte der Entsorgungsbetriebe Essen (EBE) könnte demnächst noch etwas vielfältiger werden: Diese Woche wird erstmals ein großes Nutzfahrzeug mit Erdgas-Antrieb getestet. Eine Woche lang setzt die EBE einen Müllwagen in allen Bereichen der Abfallsammlung ein und will Erfahrungen sammeln. Bewährt sich das Arbeitsgerät nicht nur als Fahrzeug, sondern auch in seinem Arbeitsgang bei den unterschiedlichen Fraktionen (Sammlung von Restmüll, Bioabfall und Altpapier), könnten in Zukunft solche Erdgas-Nutzfahrzeuge einen kleinen Beitrag für bessere Luft in Essen leisten.

Vergleiche auf verschiedenen Ebenen nötig
Vergleiche zwischen den heute üblichen dieselbetriebenen Bestandsfahrzeugen und dem alternativen Antrieb Erdgas müssen auf vielen Ebenen gezogen werden, um die Alltagstauglichkeit für die EBE einzuschätzen. Neben dem reinen Fahren und Laden gilt es auch Punkte wie Beschaffungskosten (liegen beim Erdgas-Fahrzeug höher), Tankfrequenz (liegt wegen geringerer Reichweite ebenfalls höher), Treibstoffverbrauch (dürfte voraussichtlich etwas niedriger sein als bei Diesel), Brennstoffkosten (Erdgas genießt Steuerbegünstigung), mögliche Zuladung (mit rund 10 Tonnen ausreichend) und Wartungshäufigkeit zu bewerten.

Einsatz in unterschiedlichen Revierarten
Das Fahrzeug wird für die Woche leihweise vom EBE-Gesellschafter REMONDIS zur Verfügung gestellt. Er stellt auch einen Fahrer, der wiederum die EBE-Fahrer genau in die Fahrzeugbenutzung und -technik einweist. Unterschiedliche EBE-Teams werden das Fahrzeug dann eine Woche lang in unterschiedlichen Revier-Typen testen: mal lange oder kurze Fahrtstrecken, dauernder oder geringere Presswerk-Nutzung, die eine höhere Belastung für das Nutzfahrzeug bedeutet.

Weniger schädlich fürs Stadtklima

Daneben fällt ins Gewicht, dass beim Betrieb eines Erdgas-Fahrzeuges weniger Stäube und Schadstoffe entstehen, besonders die zuletzt kritisch gesehenen Stickoxide. Gegenüber einem Dieselfahrzeug gibt es bis zu90 Prozent weniger Kohlendioxid- und bis zu 60 Prozent weniger Stickoxid-Ausstoß. In einer dicht besiedelten, aber auch befahrenen Großstadt wie Essen ist das gleichermaßen für die Anwohner wie auch für die am Fahrzeug arbeitenden Mitarbeiter eine gute Aussicht. Hier sieht sich die EBE auch motiviert, auf diese Weise dem Stadtklima weniger schädlich zu sein.
Jedes Jahr wird die EBE-Flotte durch einige Neufahrzeuge verjüngt. Mehr ist pro Jahr weder finanzierbar noch am Markt erhältlich: Für alternative Antriebsarbeiten interessieren sich Entsorgungsunternehmen in ganz Deutschland. So würde es bis zu zehn Jahre dauern, sollten nach und nach sämtliche Müllwagen umgestellt werden. Währenddessen wird die technische Entwicklung weitergehen. Eine dauernde Marktbeobachtung ist daher unabdingbar und es können sich auch weitere Tests empfehlen.

Erdgas-Infrastruktur ist gegeben
Die Infrastruktur für Erdgas wäre bereits gegeben: In Essen gibt es mit sieben Erdgas-Tankstellen eine ausreichende Abdeckung an Tankmöglichkeiten. Einmal volltanken dauert mit Erdgas vergleichbar lange wie mit Diesel. Ob sich eines Tages eine EBE-eigene Tankstelle lohnen würde, hängt auch von der weiteren Gestaltung des Fuhrparkes ab. Hier sind künftig sicher auch weitere Betriebsarten wie Elektroantrieb oder Brennstoffzelle zu erwägen und zu testen – sobald es geeignete Nutzfahrzeuge in der benötigten Klasse zu wirtschaftlich machbaren Preisen gibt, was heute noch nicht der Fall ist.

Fahrzeugdaten
Antrieb mit „CNG“, also Compressed Natural Gas / Erdgas
Größe des Gastanks: 118,3 kg bzw. 640 l

Der Dreiachser hat ein Gewicht von 26 Tonnen. Mit einer Tankfüllung kommt er rund 160 Kilometer weit, gerechnet bei ständigem Arbeitsgang (Pressewerk/Schüttung). Für ein durchschnittliches Sammelrevier genügt das.

Eine Woche lang testen die Entsorgungsbetriebe nun ein Abfallsammelfahrzeug mit Erdgas-Antrieb:
Michel de Gieter (Fahrer, REMONDIS), Michael Frenzel (Fahrer, EBE), Birgit Papenstein (Fachbereichsleitung Abfallwirtschaft, EBE), Jens Leusch (Abteilungsleiter Abfallwirtschaft, EBE), Hans Dirk Vogt (stellv. Aufsichtsratsvorsitzender, EBE), Nico Hegenberg (Lader, EBE), Stephan Tschentscher (Geschäftsführer, EBE), Mike Renzel (Lader, EBE) (von links nach rechts) verschafften sich am ersten Tag persönlich einen Eindruck.