Vernetzt für mehr Sauberkeit: EBE-Kümmerer für die Innenstadt

Montag 25. März 2019

Was Dirk Bläser ist, steht unübersehbar auf seinem Rücken: Der „Kümmerer“. Der Begriff vereint sehr treffend, was der EBE-Mitarbeiter künftig in der Innenstadt leisten will: Sich um ein gutes Erscheinungsbild kümmern. Die Idee kommt aus den eigenen Reihen der EBE. Das Kümmerer-Konzept ist das Resultat vieler Jahre an Reinigungserfahrung in der City – und auch der eigenen Grenzen für die EBE.


Hinschauen und Hinweise geben
Es sind sehr viele Kleinigkeiten, die die Wahrnehmung einer ansprechenden Umgebung ausmachen. Natürlich gehören die Papierkörbe dazu, auch Wurfmüll und Dreckecken, die die EBE standardmäßig reinigt. Aber da gibt es auch unschöne Details, Beschädigungen, Stolpersteine oder Verschmutzungen, die nicht im Handlungsbereich der EBE liegen. „Vieles sehen unsere Mitarbeiter zwar im Vorbeigehen. Sie haben aber konkrete Reinigungsaufgaben. Es bleibt weder die Zeit, diese Details zu kommunizieren, noch die Möglichkeit direkt einzugreifen“, erläutert Anja Wuschof, Leiterin der EBE-Straßenreinigung.

Kümmerer ist ansprechbar
Ausgewählt als erster Kümmerer der EBE wurde Dirk Bläser (53). Er ist gebürtiger Essener, wohnt heute in Kray und ist sehr interessiert daran, an der Lebensqualität in seiner Heimatstadt aktiv mit zu arbeiten. „Ich möchte mithelfen, das Flair der Innenstadt zu verbessern“, beschreibt Dirk Bläser. „Der Müll bleibt natürlich, das geht nicht anders, aber das Publikum muss ihn ja nicht so sehen.“

Bereits seit 30 Jahren arbeitet Dirk Bläser in vielen Bereichen des Betriebes. Nach Einsätzen in der Straßenreinigung, der Müllabfuhr und im Tonnentausch kommt er nun auf einer ganz anderen Ebene an.
Er wird als Kümmerer erkennbar und rechnet auch damit, von Passanten angesprochen zu werden. „Ich arbeite gerne im Team und mit anderen“, ist er sicher. Dass es bunt zugehen kann, ist ihm auch klar: „Ich mag multikulti“, sagt er lächelnd. Dirk Bläser hat griechisch-orthodox geheiratet, sogar die griechische Staatsbürgerschaft.

Testphase im Jahr 2019
Anja Wuschof ist die gedankliche Schöpferin des Aufgabenbildes „Kümmerer“. „Er soll hinschauen und auf Defizite aufmerksam machen“, zählt sie auf. „Sauberkeit ist so viel mehr als nur Müll aufheben. Es geht darum, den verantwortlichen Akteuren Hinweise zu geben, damit sie tätig werden können.“ Das Denken und Handeln des Kümmerers gehe also deutlich über die reinen EBE-Belange hinaus.

Diesen übergreifenden Ansatz nimmt die EBE nun in eigener Initiative auf. „Wir möchten 2019 testen, ob und wie sich der Kümmerer für die Innenstadt bewährt“, schaut Anja Wuschof voraus. „Hierzu zählen auch der Sommer und die Wochen mit vielen Großveranstaltungen nach dem Sommer, z. B. Essen.Original, den Lichtwochen und dem Weihnachtsmarkt.“ Im Anschluss müsse man die Erfahrungen auswerten und mit dem Auftraggeber Stadt Essen überlegen, ob aus dem Test eine stetige Stelle werden kann.

Netz zwischen Akteuren stärken
Sei etwa die Brunnenanlage auf der Kettwiger Straße verstopft, könne er das Amt für Straßen und Verkehr informieren. Wilde Ablagerungen kann er über den Mängelmelder eingeben, Beschädigungen aufnehmen, diverse Zuständige vernetzen, Informationen weiterreichen. So helfe der Kümmerer mit, die Dinge im sensiblen Innenstadtbereich positiv weiter zu entwickeln. Es gehe auch darum, Menschen zu motivieren. „Der Kümmerer nimmt keinen Besen selbst in die Hand und repariert auch kein Schild“, so Wuschof, „aber er kann dafür sorgen, dass es jemand tut. Er bildet und stärkt das Netz zwischen den Akteuren.“

Aufenthaltsqualität verbessern
Anja Wuschof sieht gute Chancen, nun gemeinsam mit Institutionen wie Essen Marketing Gesellschaft, dem Amt für Straßen und Verkehr, dem Ordnungsamt, der Kaufmannschaft und weiteren systematisch an einem Strang zu ziehen. „Viele haben sicher auf einen wie ihn gewartet. Der Kümmerer trägt der Bedeutung der Innenstadt als Aufenthaltsraum Rechnung. Die Menschen sind heute mehr draußen. Wir wollen ja alle die gute Aufenthaltsqualität in der Innenstadt.“

Erster Eindruck: viel zu tun
Gesehen hat er schon einiges – und einige ihn. In den ersten beiden Wochen stand zunächst eine Kennenlern-Runde für Dirk Bläser an: sein künftiges Revier zwischen Bahnhof und Uni-Park, die wichtigsten Kontaktpartner, die typischen Aufgabenstellungen seiner neuen Tätigkeit. Was ihm auffiel? Stolperfallen auf dem Kennedyplatz, eine defekte Baumscheiben-Einfassung, Flugmüll natürlich, ein herrenloser Koffer, eine ungepflegte Plakatsäule und tote Blumen. „Den Besitzer der Kästen habe ich angesprochen. Er hat sich über meine Aufgabe gefreut und sofort neue Blumen bestellt!“, freut sich Kümmerer Bläser über erste Erfolge. „So soll es sein, jetzt trinken wir ab und zu Kaffee zusammen.“